Verlustängste

Die beherrschende Angst?

Die tatsächlich beherrschende Angst in dem, was wir als unser Leben empfinden, ist die Angst vor Verlust – in mannigfaltiger Ausführung. Verlust – was für ein gigantisches Wort. Es umfasst den ganzen Erdenball, unser ganzes Leben – es ist schlichtweg die Begrifflichkeit für unsere Vitaldynamik. Was können wir nicht alles verlieren … die Wohnung, die Freundin, die Liebsten, Geld, unseren Frieden, Kriege, die Hoffnung, die Freude, die Zufriedenheit, das Leben, die Gesundheit, die Arbeit oder einfach die Hand, die Haare, das Gedächtnis, die Schönheit, das Gesicht.

Unser Leben lediglich ein Verlustausgleich?

Im rechten, dem wahren Licht betrachtet, haben wir unser Leben zu einem einzigen Verlustausgleich gestaltet. Der Verlustgedanke beherrscht uns. Dazu kommt erschwerend: Wir wollen haben. Was also meint, dass wir unsere Verlustängste noch mehren. Die Antwort, der Weg aus diesem Dilemma liegt offen zutage: Minimalismus in allen Dingen des Lebens. Will meinen Anspruchslosigkeit. Eine Anspruchslosigkeit, die sich auf die Kleinheit der materiellen, aber auch der ideellen, auf jeden Fall aus dem Urgedanken des Dualismus erwachsenden, Güter bezieht.

Materieller Minimalismus?

Ein Rückzug aus der übermaterialisierten Welt bedeutet auch, ganz im Sinne des buddhistischen Gedankens, ein Loslassen von Anhaftungen. Das „hinter sich lassen“ der materiellen Dinge nun, ist wohl eine bloße Willenssache, ganz anders verhält es sich mit den geistigen, den gedanklichen – den gefühlten, mit den Sinnen erfassten Werten. Obwohl eine Menge der Urteile, der Angriffs- und Verteidungssituationen, mit denen wir uns durch das Leben quälen, in direkter Korrelation zu den materiellen Wertigkeiten steht, ist die „Armut“ in materiellen Dingen nicht der letzte Schluss.

Intellektueller Minimalismus?

Auch jede Wahrheit, die Du besitzt, hat das Potential, Dir Verlust zuzufügen. Denn sie kostet unter Garantie eine andere, vielleicht bequemere. Und auch hier entstehen ganz konkrete Ängste in dem Zeitbegriff, den Du für das Jetzt hältst, in Deinem Leben. Das ist Angst vor Wissen. Vielfach zu finden, in allen Gesellschaftsstrukturen der Neuzeit. Irgendwie stellt sich, angesichts all der Verlustszenarien die Frage, was denn eigentlich nicht mit Verlust behaftet ist, in unserem Leben?

Ein Etwas ohne Schmerz?

Gehen wir die Sache behutsam an. Wie müsste so ein „Etwas“ denn beschaffen sein? Wir müssen also voraussetzen, dass dieses „Etwas“ für uns auch verfügbar ist – irgendwie. Weder sein Besitz noch sein (dadurch zwangsläufiger) Verlust dürfen schmerzen. Es sollte weiterhin durch und durch positive Eigenschaften haben, sonst würde es uns ja nichts nützen. So – jetzt gehe auf die Suche. Was findest du, in deinem Leben, das nicht zuletzt durch Vergänglichkeit begrenzt ist?

Alles „Haben“ ist schmerzvoll?

Tatsache, Wahrheit, wunderbare, schockierende, beschämende Wirklichkeit – es gibt in dem, wie du lebst, mit den Präambeln, Restriktionen der Gesellschaft, nichts, was ein solches „Etwas“ darstellen könnte. Alles „Haben“ in diesem Leben ist, per Definition, mit Verlust behaftet, also schmerzvoll. Das gilt für geistige Werte genauso, wie für die Dinglichkeit. Die unerbittliche Logik des dualistischen Urteils, die Schlussfolgerung unserer Vergänglichkeit, damit die Trennung von Gott, gestalten es derart.

Umgeben von „Etwas“?

Die gute Nachricht ist: Wir sind, obwohl wir es nicht erkennen können, ob unserer Anbetung von Götzenbildern, unserer Verwobenheit in die Spinnennetze des Egodenkens, umgeben von diesem ETWAS. Und es ist die LIEBE. Der liebevolle Gedanke in der Denkstruktur des Urteilens und Verurteilens, der Schuld und Strafe. Und diese wahre Liebe (nicht die von der dualistischen Gesellschaft der Menschen postulierte) ist soweit von dem dualistischen, immer schmerzhaften Gedanken entfernt, dass es ihn auflöst. Zu dem gestaltet, was er immer darstellte: NICHTS.

Fazit

Und wirklich alles, was wir zu tun haben, ist diesen liebevollen Gedanken anzunehmen, uns von ihm zärtlich umhüllen zu lassen. Die ausgestreckte Hand der Liebe ist immer da, nimm sie – dies ist der Weg zur Erkenntnis, hinaus aus dem unseligen Gedankengebäude, in dem du, heiliges Kind der Liebe, dir deine armselige Behausung eingerichtet hast. Lass den Gedanken der Liebe deine Urteile und Schuldsprechungen, dein Verteidigen und Angreifen auflösen. Lass Frieden sein. Löse dein Bild dieser Welt zur Schönheit hin auf.

Interessant

Das Tor zu „Alles ist möglich“ öffnen?

Wie kann es keinen Tod geben?

Weshalb können wir nicht erkennen, dass der Tod nicht existiert?

4 Antworten auf „Verlustängste“

  1. Dominierende / beherrschende Angst ist Symptom von Mangel an Seelenpotenzial (universelle Energie und Information), was typische Folge von Traumatisierung / seel. Verletzung usw. ist. Dabei zieht die Seele sich zusammen / zurück und gibt weniger von ihrem Potenzial an den körperlich-materiellen Aspekt des Menschen ab.
    Evtl. kommt die Seele auch unter Belastung durch abgespaltene Gefühlsenergien / „Fremdenergien“, die – wenn sie sich bemerkbar machen – als „Dämon(en)“ schon in Schriften aus vorbiblischer Zeit bezeichnet werden.

    „Erlösung“ von diesem „Übel“ / „Bösen“ ist möglich. Das bestätigt das „Vaterunser“. Jesus hätte uns nicht geraten, dies / so zu beten, wenn es nicht möglich wäre.

    Daß die Kirche nie darüber aufgeklärt hat, ist eine andere Variante des „Übels“ / „Bösen“.
    Der „Kirche“ ging es nie um seelische Heilung / Entwicklung.

    Und „Die Wissenschaft hat den Fehler der Kirche übernommen“, schreiben Adorno / Horkheimer in „Dialektik der Aufklärung“.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.