Individuum und Persönlichkeit in der Spiritualität – Sind wir eine Horde Lemminge?

Individuum, Persönlichkeit, Ich

Keine Lemminge?

Um die provozierende Frage in der Überschrift gleich zu Beginn zu beantworten: Nein. Sind wir natürlich nicht. Jeder von uns „besitzt“; „ist“ eine Persönlichkeit – ein Individuum. (Dazu) Dass wir einer gigantischen Täuschung unterworfen sind, ist eine andere Geschichte, wobei sich Schroeders interessante Katze mal wieder in den Schwanz kneift … letztlich ist es nämlich dieselbe Story. Das Wort Persönlichkeit hat seinen Wortstamm im Lateinischen, wo es für „Maske“ (persona) steht.

Persona – die Maske?

Wir werden uns der Frage nach dem „Ich“, um das es sich bei unserer Betrachtung offensichtlich handelt, den Erklärungsstrukturen tantrischer, vedischer Tradition zuwenden. Hier wird eine Unterscheidung getroffen zwischen der Persönlichkeit und dem, was als Individuum gilt. Das Individuum ist in dieser Denkart das eigentliche „Ich“ – die „Seele“ – während die „Persona“ die Maske, die Persönlichkeit, für das steht, was an Wertigkeiten in das Menschenbild hinein interpretiert wird.

Ausgesprochen komplexe Angelegenheit?

Die Persönlichkeit, die man als menschliches Wesen darstellt, ist selbstverständlich wesentlich vielschichtiger, komplexer, als es die Begrifflichkeit „Maske“ verdeutlichen kann. Die Persönlichkeit eines Menschen definiert sich aus seiner monetären Situation, seinem gesellschaftlichen Status, der Bekanntheit, seinem Charakter, das, was er dem jeweiligen Gegenüber zu sagen hat, seinen Taten oder auch Nichtaktionen in der Vergangenheit, und, und, und… . Wir reden über nichts anderes, als das Leben eines Menschen auf diesem Planeten, in dieser Weltengemeinschaft.

Interpretationen von Wertigkeiten?

Alles das, was an Wertigkeiten in das Bild eines Menschen hinein interpretiert wird. Nun, generell sind die Wahrheiten der Gesellschaft durchaus unterschiedlicher Natur. So wird aus einer Sechs ganz flott eine Neun, nur eine Frage der Verortung. Von der bloßen „Persona“ zur Berühmtheit. Auch mit negativen Vorzeichen. Wir erkennen, dass, in dem bestehenden Denksystem der Erdenbürger, nichts von wirklicher Beständigkeit ist. Persönlichkeiten, in jedem Sinn, schon gleich gar nicht.

Selbstliebe?

Das bringt uns zum Individuum. Denn als „Ich“, als gesellschaftlich definiertes Individuum, bin ich mir meiner Persönlichkeit bewusst. Und lediglich, wenn ich meine Persönlichkeit wertschätze, erfährt sie wahre, wirkliche Wertschätzung. „So!“ Wird nun manch einer rufen. „So! Und wie soll ich mich wertschätzen, wenn es die Gesellschaft, wenn es die anderen Menschen nicht tun?“ Nun. Frage dich doch einfach, wer oder was hier welche Ansprüche stellt und weswegen.

Vorgeschriebene Geleise?

Wer der Gesellschaft der Menschen gefallen möchte, der stellt sich selbst vor ein gigantisches Problem. Leider werden wir, von Beginn unseres Lebens an, wie es sich in etlichen hervorragenden Zeichentrickfilmen verdeutlicht sieht, auf eine Bahn, auf Geleise gesetzt, und die Wagen, in denen wir mit vielen anderen eingeengt sitzen, bewegen sich von ganz alleine. Das Ziel ist ungewiss. Persönlichkeit nun bedeutet, sich einen guten Platz in diesem Gefährt des Lebens zu sichern. So, die Trauerfahrt zum Grab, wenigstens sitzend, wenn möglich, mit Polster (die Erhöhung), zu begehen.

Angst ist vollkommen unnötig?

Um nun den verzweifelten Fragern Antwort zu geben, dieser Platz, den Du Dir mit Deiner Persönlichkeit sichern möchtest, ist schon seit Anbeginn der Zeit der Deine. Und es ist nicht nur ein Platz in einem Gefährt, das durch das Leben rollt. Es ist der Königsthron. Der einzige, den es überhaupt gibt. Und Du sitzt auf ihm, vollkommen zurecht. Und was die „anderen“ sagen, hat nie existiert. Lediglich in Deiner Einbildung, dem Gedächtnis, dem Denken, Deiner „Persona“. Dem Ego.

Die Persönlichkeit ist das Ego?

Ahh! Welche Wohltat! Endlich ist es ausgesprochen. Die Persönlichkeit, die „Persona“, die Maske – vereint sich, mit sich selbst, im Egodenken. Die Persönlichkeit ist das Ego. Und noch besser: Wir konnten gerade auf wundersame Art und Weise zu dem Schluss gelangen, dass das Ego, die Persönlichkeit, nur Einbildung ist. Vielschichtig, komplex, beweiskräftig – aber pure Illusion in der erdachten Zeit. Haben wir dieses Bild der Persönlichkeit einmal als solches erkannt, sind also in der Lage, diese ausgesprochen instabile, fragile Konstruktion zu sehen, ist der Weg zum Verständnis des ewigen, des zeitlosen, von Liebe erfüllten „Ichs“ aufgetan.

Das „Ich“ abseits des Menschentraumes?

Denn tatsächlich existiert das „Ich“, das Individuum, abseits dieser Gedankenkonstruktion, dieses Menschheitstraumes. Und es ist fürwahr ewig, kennt keine Unterschiede, – es ist eine Union mit dem Absoluten. Es ist vollkommen heilig. Wir sind in vollkommener Art und Weise heilig. Nur die Liebe kann absolut sein, nur die Schöpfung kann absolut sein. Die Schöpfung ist die Liebe. Wir sind Liebe. Wir sind absolut. Wir sind alles. Jedes „Individuum“ist absolut. Jede Persönlichkeit ist einschränkende Illusion.

Die Quellwahrheit?

Dies, genau dies, ist der große Gedanke, den alle Religionen in ihrem Ursprung vermitteln wollten. Doch auch die Religionen haben ihre „Persona“ – ihre Maske – und die Nachricht der Erleuchteten, die im Ursprung so einfach war, so überaus simpel – wurde dividiert und nochmals partioniert, bis sie in die Welt der Persönlichkeiten, des undefinierten Chaos, zu passen schien. Und mit unserem Maskendenken ist es unmöglich, diese, unsere Situation zu erkennen. Wir bleiben in den Grenzen der Begrifflichkeit der Person stecken.

Undurchdringlicher Nebel?

Und wie könnte man dem denn auch entkommen? Ist es doch diese Nebelgebilde, dass uns in der Welt definiert? Fühlst du nicht diese Nebelfetzen? Von Deinem ganzen Körper hängen sie, die dichten Schwaden deiner vorgeblichen Persönlichkeit. Sie nehmen Dir die Sicht auf das ewige „Ich“, welches du schon immer gewesen bist. Und diese wunderbare Schwingung, das Wissen darüber, wie eine leise Melodie, die du Dein ganzes Leben lang hörst, die Dir Hoffnung gibt, Dich weitermachen lässt, auch wenn Deine Ohren verstopft sind, und Du nicht glaubst, sie zu vernehmen.

Fazit

Du bist Gott, bist ein eingeborenes Kind der Liebe schlechthin, Du bist Schöpfung, Alleinheit. Reibe Dich nicht in der naiven Kleinheit der Persönlichkeit, der Maske, des manipulierenden, täuschenden Denksystems des Egos auf. Zeige der Schöpfung nur ein noch so leises Wollen, diese unseligen Traumgebilde zu verlassen – sie wird Dich umarmen und lächelnd an die Hand nehmen. In dieser Realität. Als das, was Du meinst, zu sein. Als Persönlichkeit. Denn die Liebe ist die Wahrheit. Und sie wird es Dir durch Dinge beweisen, die Du für Wunder nimmst.

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Wir definieren uns aus „Unsinn“?

„Stop!“ Wird da Ihr Ego laut rufen, werden Sie gedanklich die Zügel anziehen. Die Vergangenheit, die Geschichte, unsere große Geschichte, meine Geschichte, mein Leben – das ist es doch, was mich ausmacht! Das bin doch ich! Ich würde doch ohne meine Vergangenheit überhaupt nicht existieren! All die Erfahrungen, die Dinge, die ich gelernt habe. Wie könnte das denn Unsinn sein? Das zu behaupten, ist Unsinn!

Gedankenchaos

Niemand nimmt Ihnen die Vergangenheit

Atmen Sie mal tief durch. Keine Angst, niemand möchte Ihnen etwas Ihnen so teures wegnehmen. Wir schauen uns das Ding nur einmal etwas genauer an. Es sind also die Bilder und Erfahrungen aus der Vergangenheit, in ihrer Gesamtheit, ihrem Zusammenwirken, die Ihr Selbst ausmachen. Eine stabile Basis? Sollte man meinen – und bucht das unter Lebenserfahrung ab. Doch tun wir mal einen Schritt mehr. Sehen wir uns an, wie ein einzelnes Bild aus diesem Erfahrungsschatz entsteht.

„Prägende“ Erfahrungen?

Sie haben also in der Vergangenheit irgendeine Erfahrung gemacht, die Sie „geprägt“ hat. Warum hat Sie diese Erfahrung geprägt? Weil Sie Schlussfolgerungen gezogen haben. Sie haben bereits vorhandene Prämissen, Erfahrungen, Bilder, verwendet, um die Situation einzuordnen, ihr einen Sinn zu geben. Die Konstruktion sieht so aus, dass Sie Bilder und Eindrücke, Erfahrungen benutzen, um andere Bilder und Erfahrungen zu interpretieren.

Sandspielkasten
Sandspielkasten

Ein stabiles Lebensbild?

Das wäre wunderschön, gäbe ein wirklich stabiles Lebensbild ab, an dem nichts zu rütteln wäre … wenn nicht … diese Subjektivität wäre. Denn die Bilder, die nun dazu dienen sollen, einen festen, ausgesprochen stabilen Untergrund für Ihr Leben darzustellen, sind in Wahrheit seidenfeine, zarte Gespinste, die sich beim geringsten Lufthauch auflösen, oder zumindest davon getragen werden. Denn wie Sie eine Situation, ein Bild erkennen, interpretieren, das hängt von unendlich vielen, letztlich nicht einzuordnenden, nicht aufzulistenden Faktoren ab.

No black no white
No black no white

Gedankenburgen?

Die Einordnung einer Situation, das Gefühl, eine Erfahrung gemacht zu haben, ist so subjektiv, wie es nur möglich ist. Ein einziger Gedanke, ein einziges diametrales Bild, ein Argument, das Sie übersehen haben, nicht sehen wollten, kann das komplette Gedankenschloss zum Einsturz bringen. Und seien Sie ehrlich. Wie oft sind Ihre Gedankenburgen schon zu Sand zerflossen? Die Situationen, die Begebenheiten, in denen bestimmte Gedanken zutreffend sind, sind in ständiger Veränderung begriffen. Da gibt es keine Konstante. Es ist pures Chaos.

Flüchtiges Netz

Pures Chaos deswegen, weil es ja nun nicht so ist, dass Sie auf Ihrer Insel der Subjektivität alleine im Universum wären. Dieser Welt aus manipulierten, flüchtigen Bildern und Schlossfolgerungen, die schon im nächsten Augenblick wieder über den Haufen geschmissen werden müssen, weil die „Umstände“ sich geändert haben. Unzählige andere Inseln pfuschen Ihnen ins Handwerk, manipulieren, geben falsche Informationen, zeigen in andere Richtungen.

Jetzt
Jetzt

Unklarer Verlauf von Ursache und Wirkung

In dieser, Ihrer Gedankenwelt, kann es keine Konstante geben, kann Vertrauen nicht existieren. Denn für Sie erscheint die Welt in einem unverständlichen Wirbel von nicht oder nur unzureichend zu bestimmendem Wechsel von Ursache und Wirkung abzulaufen. Und weder Ursache noch letztliche Wirkung können Sie auch nur annähernd bestimmen. Das macht tierische Angst. Die wiederum in Ihr Urteil einfließt. Sehen Sie? Die Katze beißt sich in den Schwanz.

Don Quichotte lässt grüßen

Wie Don Quichotte kämpfen Sie gegen imaginäre Windmühlen. Und die Schindmähre, die Sie durch Ihr Leben trägt, Ihr Körper, wird auch nicht jünger. So besitzen Sie also diese veränderlichen Gespinste aus Bildern der Vergangenheit, ein jedes aufgebaut aus anderen, genauso fragilen, sich genauso ständig ändernden Bildern, Sequenzen, aus denen Sie gedanklich Ihr Leben, Ihr ICH, Ihr SELBST konstruieren.

Eine neue Erde
Eine neue Erde

Eine subjektive Zukunft

Es kommt noch schlimmer! Denn aus Ihrer Summe der Gedanken, dieser nur allzu offensichtlich verrückten Struktur (die überhaupt keine Summe haben kann) – erschaffen Sie auch noch die Zukunft. Aus einem Universum an Gedanken, dass Sie in sich haben, picken Sie die Bilder heraus, die Ihrem Ego gerade opportun erscheinen, die Zukunft zu beschreiben – so Ihr Verhalten zu bestimmen. Abhängig nicht nur von Emotionen. Abhängig, von der sozialen Struktur, in der Sie sich befinden, Ihrem Bildungsniveau, der Örtlichkeit, der politischen Struktur, Ihrer Erziehung, der Manipulation durch Werbung, Ihr Konsumverhalten, Ihre Abstammung, Ihre Hautfarbe .. die Liste kann ins Unendliche fortgesetzt werden.

Flüchtig und bis in den Grund manipuliert?

Das Einzige was hier nun deutlich wird, ist dass das, was Sie aus diesen manipulierten, sich selbst manipulierenden Bildern erschaffen, nämlich Ihre Zukunft, (und es ist ja lediglich Ihr begrenztes Universum an subjektiven Bildern – jeder andere Mensch hat selber eines), dass Ihre Zukunft also aus demselben flüchtigen, manipulierten, unzureichenden, sich in rasend schneller Veränderung befindlichen Gedankenkonstruktionen heraus besteht, aus denen auch Ihr Bild der Vergangenheit gebastelt ist.

Egotrick?

Dies Alles ist ein gigantischer Trick des Ego, des Ichs, dass Sie leben. Denn Ihr Ego übergeht in seiner destruktiven Art ganz einfach, indem es die Bilder aus der Vergangenheit in die Zukunft projiziert, das Wichtigste. Das Jetzt. Im diesem Jetzt nämlich, hat es kein Zuhause. Hier existieren weder Bilder aus der Vergangenheit, noch werden Kopien für die Zukunft gefertigt. Hier wird die offenbare Lächerlichkeit der Bilderaussagen ganz klar deutlich.

Ein Wunder?

Sie kennen dieses Jetzt auch. Es offenbart sich gerne, wird von den Menschen dann als Wunder empfunden. Denn normalerweise sind sie nicht in der Lage es zu sehen, zu erkennen. Blind, auf einem Laufband, mit den oben beschriebenen Bildern nicht nur vor Augen, sondern sogar als Ziel. Doch manchmal scheint die Wahrheit mit einem Lichtstahl durch die Augenbinden. Ein Sonnenaufgang, irgendein besonderer Moment, der unser Herz sehr tief berührt. Die Geburt, der Tod eines Lebewesens, Eiskristalle im Sonnenlicht. Im Tantra sogar ein Orgasmus. Da ist das Jetzt.

Ein Kurs in Wundern
Ein Kurs in Wundern

Das Rad des Lebens

In diesem Jetzt gibt es keine Angst, denn dort hat die Liebe ihr Zuhause. Hier gibt es keine Urteile, die durch irgendwelche Interpretationen von subjektiv betrachteten Bildern ergehen. Hier kann es keine Sünde geben, keine Schuld, kein Leiden, keine Abhängigkeiten, keinen Zwist. Dieses Jetzt zu erkennen und zu leben, ist das Ziel. Aus ihm stammt die Kraft der Urteilslosigkeit, der Kontemplation, die distanzierte, implementierende Sicht der buddhistischen Mönche (nur als Beispiel) auf das Rad des Lebens.

Fazit

Was Ihre Wahrnehmung Ihnen mitteilt, durch Hören, Sehen, Fühlen, Denken, worauf über Ihren Geist auch Ihr Körper reagiert, der Stoff also, aus dem Sie (bis zum Wahnsinn in Fragmentation begriffen) Ihr Ich bauen, ist so subjektiv, wie nur denkbar, so relativ wie nur irgend möglich. Es besteht nur aus manipulierter Vergangenheit und Zukunft heraus. Den Urgrund, die Quelle, finden Sie im Jetzt, das unbelastet und rein nur auf Ihre Entscheidung wartet, die verrückte, manipulierte Gedankenbilderwelt, die Ihr Ego bestrebt ist, zu erhalten – nur zu erkennen.

Haben Sie erkannt, – jeder wird erkennen, Zeit existiert nicht – wird die Liebe alles andere erledigen, ganz ohne Ihr Zutun. Sie müssen lediglich dem Vater die Hand geben, vertrauen.

Das Jetzt leben.

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