Die Vergangenheit ein fauliger Sumpf?

Wir definieren uns aus „Unsinn“?

„Stop!“ Wird da Ihr Ego laut rufen, werden Sie gedanklich die Zügel anziehen. Die Vergangenheit, die Geschichte, unsere große Geschichte, meine Geschichte, mein Leben – das ist es doch, was mich ausmacht! Das bin doch ich! Ich würde doch ohne meine Vergangenheit überhaupt nicht existieren! All die Erfahrungen, die Dinge, die ich gelernt habe. Wie könnte das denn Unsinn sein? Das zu behaupten, ist Unsinn!

Gedankenchaos

Niemand nimmt Ihnen die Vergangenheit

Atmen Sie mal tief durch. Keine Angst, niemand möchte Ihnen etwas Ihnen so teures wegnehmen. Wir schauen uns das Ding nur einmal etwas genauer an. Es sind also die Bilder und Erfahrungen aus der Vergangenheit, in ihrer Gesamtheit, ihrem Zusammenwirken, die Ihr Selbst ausmachen. Eine stabile Basis? Sollte man meinen – und bucht das unter Lebenserfahrung ab. Doch tun wir mal einen Schritt mehr. Sehen wir uns an, wie ein einzelnes Bild aus diesem Erfahrungsschatz entsteht.

„Prägende“ Erfahrungen?

Sie haben also in der Vergangenheit irgendeine Erfahrung gemacht, die Sie „geprägt“ hat. Warum hat Sie diese Erfahrung geprägt? Weil Sie Schlussfolgerungen gezogen haben. Sie haben bereits vorhandene Prämissen, Erfahrungen, Bilder, verwendet, um die Situation einzuordnen, ihr einen Sinn zu geben. Die Konstruktion sieht so aus, dass Sie Bilder und Eindrücke, Erfahrungen benutzen, um andere Bilder und Erfahrungen zu interpretieren.

Sandspielkasten
Sandspielkasten

Ein stabiles Lebensbild?

Das wäre wunderschön, gäbe ein wirklich stabiles Lebensbild ab, an dem nichts zu rütteln wäre … wenn nicht … diese Subjektivität wäre. Denn die Bilder, die nun dazu dienen sollen, einen festen, ausgesprochen stabilen Untergrund für Ihr Leben darzustellen, sind in Wahrheit seidenfeine, zarte Gespinste, die sich beim geringsten Lufthauch auflösen, oder zumindest davon getragen werden. Denn wie Sie eine Situation, ein Bild erkennen, interpretieren, das hängt von unendlich vielen, letztlich nicht einzuordnenden, nicht aufzulistenden Faktoren ab.

No black no white
No black no white

Gedankenburgen?

Die Einordnung einer Situation, das Gefühl, eine Erfahrung gemacht zu haben, ist so subjektiv, wie es nur möglich ist. Ein einziger Gedanke, ein einziges diametrales Bild, ein Argument, das Sie übersehen haben, nicht sehen wollten, kann das komplette Gedankenschloss zum Einsturz bringen. Und seien Sie ehrlich. Wie oft sind Ihre Gedankenburgen schon zu Sand zerflossen? Die Situationen, die Begebenheiten, in denen bestimmte Gedanken zutreffend sind, sind in ständiger Veränderung begriffen. Da gibt es keine Konstante. Es ist pures Chaos.

Flüchtiges Netz

Pures Chaos deswegen, weil es ja nun nicht so ist, dass Sie auf Ihrer Insel der Subjektivität alleine im Universum wären. Dieser Welt aus manipulierten, flüchtigen Bildern und Schlossfolgerungen, die schon im nächsten Augenblick wieder über den Haufen geschmissen werden müssen, weil die „Umstände“ sich geändert haben. Unzählige andere Inseln pfuschen Ihnen ins Handwerk, manipulieren, geben falsche Informationen, zeigen in andere Richtungen.

Jetzt
Jetzt

Unklarer Verlauf von Ursache und Wirkung

In dieser, Ihrer Gedankenwelt, kann es keine Konstante geben, kann Vertrauen nicht existieren. Denn für Sie erscheint die Welt in einem unverständlichen Wirbel von nicht oder nur unzureichend zu bestimmendem Wechsel von Ursache und Wirkung abzulaufen. Und weder Ursache noch letztliche Wirkung können Sie auch nur annähernd bestimmen. Das macht tierische Angst. Die wiederum in Ihr Urteil einfließt. Sehen Sie? Die Katze beißt sich in den Schwanz.

Don Quichotte lässt grüßen

Wie Don Quichotte kämpfen Sie gegen imaginäre Windmühlen. Und die Schindmähre, die Sie durch Ihr Leben trägt, Ihr Körper, wird auch nicht jünger. So besitzen Sie also diese veränderlichen Gespinste aus Bildern der Vergangenheit, ein jedes aufgebaut aus anderen, genauso fragilen, sich genauso ständig ändernden Bildern, Sequenzen, aus denen Sie gedanklich Ihr Leben, Ihr ICH, Ihr SELBST konstruieren.

Eine neue Erde
Eine neue Erde

Eine subjektive Zukunft

Es kommt noch schlimmer! Denn aus Ihrer Summe der Gedanken, dieser nur allzu offensichtlich verrückten Struktur (die überhaupt keine Summe haben kann) – erschaffen Sie auch noch die Zukunft. Aus einem Universum an Gedanken, dass Sie in sich haben, picken Sie die Bilder heraus, die Ihrem Ego gerade opportun erscheinen, die Zukunft zu beschreiben – so Ihr Verhalten zu bestimmen. Abhängig nicht nur von Emotionen. Abhängig, von der sozialen Struktur, in der Sie sich befinden, Ihrem Bildungsniveau, der Örtlichkeit, der politischen Struktur, Ihrer Erziehung, der Manipulation durch Werbung, Ihr Konsumverhalten, Ihre Abstammung, Ihre Hautfarbe .. die Liste kann ins Unendliche fortgesetzt werden.

Flüchtig und bis in den Grund manipuliert?

Das Einzige was hier nun deutlich wird, ist dass das, was Sie aus diesen manipulierten, sich selbst manipulierenden Bildern erschaffen, nämlich Ihre Zukunft, (und es ist ja lediglich Ihr begrenztes Universum an subjektiven Bildern – jeder andere Mensch hat selber eines), dass Ihre Zukunft also aus demselben flüchtigen, manipulierten, unzureichenden, sich in rasend schneller Veränderung befindlichen Gedankenkonstruktionen heraus besteht, aus denen auch Ihr Bild der Vergangenheit gebastelt ist.

Egotrick?

Dies Alles ist ein gigantischer Trick des Ego, des Ichs, dass Sie leben. Denn Ihr Ego übergeht in seiner destruktiven Art ganz einfach, indem es die Bilder aus der Vergangenheit in die Zukunft projiziert, das Wichtigste. Das Jetzt. Im diesem Jetzt nämlich, hat es kein Zuhause. Hier existieren weder Bilder aus der Vergangenheit, noch werden Kopien für die Zukunft gefertigt. Hier wird die offenbare Lächerlichkeit der Bilderaussagen ganz klar deutlich.

Ein Wunder?

Sie kennen dieses Jetzt auch. Es offenbart sich gerne, wird von den Menschen dann als Wunder empfunden. Denn normalerweise sind sie nicht in der Lage es zu sehen, zu erkennen. Blind, auf einem Laufband, mit den oben beschriebenen Bildern nicht nur vor Augen, sondern sogar als Ziel. Doch manchmal scheint die Wahrheit mit einem Lichtstahl durch die Augenbinden. Ein Sonnenaufgang, irgendein besonderer Moment, der unser Herz sehr tief berührt. Die Geburt, der Tod eines Lebewesens, Eiskristalle im Sonnenlicht. Im Tantra sogar ein Orgasmus. Da ist das Jetzt.

Ein Kurs in Wundern
Ein Kurs in Wundern

Das Rad des Lebens

In diesem Jetzt gibt es keine Angst, denn dort hat die Liebe ihr Zuhause. Hier gibt es keine Urteile, die durch irgendwelche Interpretationen von subjektiv betrachteten Bildern ergehen. Hier kann es keine Sünde geben, keine Schuld, kein Leiden, keine Abhängigkeiten, keinen Zwist. Dieses Jetzt zu erkennen und zu leben, ist das Ziel. Aus ihm stammt die Kraft der Urteilslosigkeit, der Kontemplation, die distanzierte, implementierende Sicht der buddhistischen Mönche (nur als Beispiel) auf das Rad des Lebens.

Fazit

Was Ihre Wahrnehmung Ihnen mitteilt, durch Hören, Sehen, Fühlen, Denken, worauf über Ihren Geist auch Ihr Körper reagiert, der Stoff also, aus dem Sie (bis zum Wahnsinn in Fragmentation begriffen) Ihr Ich bauen, ist so subjektiv, wie nur denkbar, so relativ wie nur irgend möglich. Es besteht nur aus manipulierter Vergangenheit und Zukunft heraus. Den Urgrund, die Quelle, finden Sie im Jetzt, das unbelastet und rein nur auf Ihre Entscheidung wartet, die verrückte, manipulierte Gedankenbilderwelt, die Ihr Ego bestrebt ist, zu erhalten – nur zu erkennen.

Haben Sie erkannt, – jeder wird erkennen, Zeit existiert nicht – wird die Liebe alles andere erledigen, ganz ohne Ihr Zutun. Sie müssen lediglich dem Vater die Hand geben, vertrauen.

Das Jetzt leben.

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Was soll ich tun?

Du bist Gott! Doch du hast, mit deiner fehlerhaft verwendeten Schöpferkraft, eine Welt errichtet, die aus eben dem besteht: Mangel. Du hast eine Welt erschaffen, abseits von dem, was du als wünschenswert betrachten würdest, eine Insel der Mühsal und Pein. Und allzu eifrig verteidigst du ihre Grenzen, eifersüchtig darauf bedacht, niemanden eindringen zu lassen.

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Weil du dich untergeordnet hast, unter die Gesetze und Bedingungen, die dir das System, das, was du als Leben betrachtest, diktiert zu haben scheint. Verzweifelt, traurig, enttäuscht suchst du ständig, jeden Tag, jede Sekunde nach einem Sinn in dieser Handlung. Und du wirst ihn nicht finden. Denn es kann ihn nicht geben. Kein Konzept funktioniert. Denn es fehlt die Grundlage. Jedes Konzept, dass du anwendest, ganz egal in welcher Situation, in welcher Misere du dich befindest oder auch nicht, kann nur auf Sand gebaut sein, solange es dem verrückten System der Menschen, des Egos entstammt.

Don't be afraid!
Don’t be afraid!

Gibt es denn keine Regeln, verändert sich alles ständig, vergeht, stirbt, entsteht?

Es gibt kein Kontinuum. Keine wirkliche Basis. Du bist was du denkst! Denke in Kategorien des Systems, die sich nicht erschöpfen in Habsucht, Gier, Streit, Groll, Krieg, Trauer, Tod, Schuld, Recht, Sünde, Strafe, Mangel, Verzweiflung, Bitterkeit, Aufschrei, Angst und Panik, Betäubung, und du wirst in ihnen leben.

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Meinst es unveränderlich so einzuordnen zu müssen? Was dir immer fehlt, wenn du in diesen, den einzigen Konzepten des Systems denkst, ist das Vertrauen. Als Basis. Die unerschöpfliche, übergroße, nicht verständlich zu machende Liebe. Der man sich ANVERTRAUEN kann und muss. Ganz egal, in welcher Situation.

Sandspielkasten
Sandspielkasten

Vertrauen besiegt die Angst

Es gilt lediglich, das Ego, jeden Dualismus auszuschalten, sich zu distanzieren, sich einzulassen auf das Vertrauen, in das, was nicht zu nennen ist, was außerhalb, durch, in, über und unter, hinter den Begriffschemata der Menschen steht. Und nur der Wille, nur das tatsächliche Wollen wird auf der Stelle (Zeit ist irrelevant) die Heilung bewirken.