Über Geburt und Tod

Der Lebensweg – eine klare Sache

In der selben Art, wie die Geburt ein fröhliches, zu bestaunendes Ereignis in der Gesellschaft ist, stellt sich der Tod als düster und mit Trauer behaftet dar. Wir sehen eine Linie, beginnend mit der Geburt und einem klar definierten Ende mit dem Tod. Und solange unsere Perspektive die ist, unseren Körper als vollkommene Quintessenz unseres Daseins zu sehen, ist dies durchaus eine, wenn auch naive, so doch zutreffende Art und Weise, das „Leben“ zu beschreiben.

Lediglich ein Kopiervorgang?

Es tut sich die grundsätzliche Frage auf, wer oder was wir sind. Sind wir tatsächlich nur das Produkt einer Genvervielfältigung, eines DNA-Kopiervorganges, der neues „Leben“ erschafft, einen neuen Körper, ein neues Gehirn? Sobald wir etwas näher, als dies gewöhnlich der Fall ist, an diese Sache herangehen, sie vertieft betrachten, sehen wir, dass da eine Unmenge mehr zu entdecken ist. Der Kosmos nämlich. Alle Universen.

Naive Arroganz

Die Natur unserer Voreingenommenheit bezüglich unseres „Standortes“ist vollkommen durchdringend. Die Vorstellung, mehr die Gewissheit, letzten Endes nur „beseeltes Fleisch“ mit begrenztem Haltbarkeitsdatum zu sein, ist Generalkonsens. Ein Berg von Kleinheit, den wir da mit uns schleppen. Vor allen Dingen: Diese Konstellation des Denkens erschafft ganz grundsätzliche Lebensangst – eine Angst, die geeignet ist, jede wirkliche Freude zu verhindern.

Komplett individuelle Sicht auf die „Dinge“

Der Versuch dieses Denken zu beschreiben, zeigt auf, dass die vorgeblich generalisierte „Meinung“ zu den „Dingen“ im Gegenteil vollkommen individuell und dazu sehr oberflächlich ist. Wir postulieren großartig ein Statement, sind dabei jedoch nicht in der Lage, weiter als „über die eigene Nasenspitze“ zu sehen. Wir klammern uns an, von uns alleine erschaffene, Logikkonstruktionen, die gerne auch einmal vollkommen falsch sein dürfen, und beschreiben mit diesen Bruchstücken, diesen winzigen Splittern, unsere Welt.

Aus Zerteilung erklärt

Vollzogen wird dieser Erschaffungsprozess einer „Daseinsbeschreibung“ also unter den Grundvoraussetzungen, den Prämissen, einer sich im Urteil definierenden Gesellschaft, deren Art und Weise zu erklären, die Partition ist. Das meint für uns, dass jedwede dieser „Daseinsbeschreibungen“ dieser „Standortbestimmungen“ sich im letztlichen Nichts verläuft. Wir können nicht weiter als bis zur Frage nach Gut und Böse vordringen – versuchen dementsprechend weiter „Gott zu töten“.

Leid stammt aus Wertung

Unser urteilendes Gebaren – es ist der Urgrund für all unser – nur in schwarzen Illusionen existierendes – Leid. Wir sind in Splittern gefangen. Unser lebenslang antrainiertes, aufoktroyiertes Denken, macht es uns unmöglich, das Ganze zu sehen. Und selbst wenn wir mit der eben erwähnten Nase auf die Sinnesdiskrepanz hingewiesen werden, sind unsere fälschlichen Denkstrukturen so vehement und vordringlich präsent, dass jedes, in eine andere Richtung weisende Argument, sinnlos wird. Schubladendenken.

Die Schau der Blume

Lassen Sie uns nichtsdestotrotz einen Versuch starten, der „Sache mit Geburt und Tod“ ein klein wenig näher zu kommen. Es gibt da ein Beispiel aus dem Buch „Zen-Buddhismus und Psychoanalyse“. (verfasst von Taitaro Suzuki, Erich Fromm und Richard de Martino) Es dreht sich um die Perspektive der Betrachtung einer Blume. Hier tut sich, bei verinnerlichter Betrachtung, die Tür in die richtige Richtung auf. Der Westen sieht die Blume, zerlegt sie in ihre Bestandteile, betrachtet sie entsprechend, um sie schließlich, „mitsamt des Wurzelwerks aus dem Boden zu reißen“ – die Idee, die Pflanze (für sich) zu be/erhalten.

Verinnerlicht

Der östliche – in Gänze gefasste – Blick, umarmt die Blume – in Gedanken. Er versenkt sein Denken in die feinen, sichtbaren Strukturen und die Form der Blume, genauso aber dringt er ideenhaft in sie ein – er versucht sie – konzentriert zu „erkennen“. Eins mit ihr zu werden. Niemals würde er sie beschädigen oder gar zerstören. Nun hat sich diese Ost-West Konstellation schon lange aufgelöst – doch mag sie beispielhaft dienlich sein.

Mehr als „sächlich“

Diese Verdeutlichung der unterschiedlichen Perspektiven ist, wie gesagt, ein erster Schritt – es geht darum, über das „Dingliche“ hinaus, zu begreifen. Ein deutliches „Mehr“ als bloße Materie zu sehen. Man wäre beinahe geneigt zu sagen: „Den Dingen ihr Leben zurück geben“. Wirklich ihre Existenz – in der Folge, durchaus ihre „Nichtexistenz“ zu erfahren. Was passiert nun, wenn eine verinnerlichte Sehweise, unser Blick, auf eine Blume fällt?

Intersein

Wir sind in der Lage, in „konzentrierter Achtsamkeit“ das „INTERSEIN“ der Blume, im vorgestellten Kosmos, zu erfahren. Dies ist ein gewaltiger Schritt – und die allermeisten Menschen verlieren hier den „Kontakt“, die Sache wird zu obskur, zu „schräg“. Die Wirklichkeit ist, dass hier die Angst in Aktion tritt. Lebensbestimmend, wie zu jedem Zeitpunkt, bis hierher. Doch versuchen Sie, konzentriert zu bleiben. Keine Schubladen – sondern ACHTSAMKEIT.

Eine Blüte töten

Lassen Sie uns nun also, in diesem Sinne, der Vorstellung nachgehen, wir würden diese Blume, diese Blüte, von der wir da sprachen, „töten“. Sie umbringen. Vom Leben in den Tod befördern. Die adäquateste Methode scheint der Feuertod zu sein. Wir übergeben die Pflanze alsdenn den Flammen. Was passiert? Es scheinen erneut auf die einzelnen „Nichtblumenaspekte“ der Blumennatur, aus denen sie besteht. Als da ist der Rauch, die freigesetzten Mineralien, die Ascheteile, die übrig bleiben, die Energie in Form von Hitze, die Feuchtigkeit, die verdunstet.

Konzentrierte Achtsamkeit

Wenn unser Blick ein wahrhaftiger ist, ein verinnerlichter, ein in großem Maße tatsächlich konzentrierter, achtsamer, so ist es uns ohne Weiteres möglich, auch die Bäume des Waldes, oder den Garten in dem die Blume stand, den Gärtner der ihr Wasser gab, ja die Sonne, die Wolken, den Regen, der sie nährte, zu erkennen. Können wir also sagen, diese Blume wäre nun tot? Mit ein wenig „Glück“ , fällt sie uns morgen, in Form eines Regentropfens, auf die Schulter und lächelt uns freundlich zu.

Freiheit von Angst erreicht

Die Blume „ist“ nicht. Sie „INTERIST“. Das geht über jede Spekulation zum ewigen Leben weit hinaus, das Wort „Unsterblichkeit“ verliert seine Bedeutung. Wie wir, ohne Anstrengung, erkennen können, liegt hier der Schlüssel zur vollkommenen Angstfreiheit. Der Tod ist eine irrsinnige Idee der Gesellschaft, ein Gedankengerüst, das mit der leichtesten Berührung in Wahrheit seine Form verliert und zu dem Nichts wird, dass es immer war. Ans uns ist es, verstehend zu vertrauen.

Abgelehnte Wahrheit

Wenn wir uns das Konzept dieses „Interseins“ genauer betrachten, und ihm folgen, so wird uns mit erfreuten, ehrfurchtsvollem Staunen deutlich, das es „ABSOLUT“ allumfassend, durchdringend ist. Diese „Idee“ jedoch, welche reine, untrügliche, auch wissenschaftlich, in der Quantenmechanik, belegte Wahrheit ist, wird von der Gesellschaft, der „Körperwelt“, der „historischen Dimension“, vehement und gnadenlos, schlicht und einfach verleugnet. Von Ihnen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit .JETZT. In diesem Augenblick.

Abgeschmackte Gegenargumente

Unsere Ich-körperbezogene Logik lässt lediglich ein abgeschmacktes, verschämtes, halblaut ausgesprochenes, „das ist nicht überlebensrelevant“ unserer Gedanken zu. Abgestempelt, diese Argumentation, für die Ablage, die große Schublade. Wir sind abgelenkt, durch unser Wissen, durch unseren, den Versuch des „Egos“, das Gelesene als „unglaubwürdig“, als „irrelevantes esoterisches Geschwafel“ abzutun. Wir befassen uns nicht wirklich. Dazu ist unsere Angst (die unseres „Ego“-Bewusstseins) viel zu groß. So immens, dass wir sie nicht benennen, erkennen möchten.

Wahrheit des Buddha

Wenn dies nun Wahrheit und Wirklichkeit ist – dass wir nicht in der Lage sind, mehr als die manipulierte Oberfläche des Gesellschaftsdenkens zu erkennen, wie soll es dann denn überhaupt möglich sein, aus diesem Gedankenwerk auszusteigen? Gauthama Buddha erkannte die wahre Natur der Erde und des Menschen vor etwa 2600 Jahren – in den Niederschriften über die Atemmeditation liegt die gnädige, zärtliche Auf-Lösung dieser, unserer Daseinszweifel, aller so unbegründeten Ängste, unserer zwanghaften Oberflächlichkeit, die sich den Anschein gibt, in die Tiefe zu gehen. .

Sichtweise der Medizin

Wie es ein Mediziner, vielleicht war es Paracelsus, erstmals formulierte: „Eine Krankheit kann niemals an dem Ort geheilt werden, an der sie entstand.“ Betrachten wir die unselige Logikkonstruktion, in der wir so unbewusst gefangen sind, unsere Gedanken und Ideen, Schlussfolgerungen, Vorteile, Urteile, Wertungen, als eine Art „Krankheit“, – so heißt das, wir müssen „aus unserem Kopf heraus“, oder zumindest den „Lärm“ den diese Gedanken verursachen, abschalten.

Ort der Stille

Wir können diese Zuflucht für uns selbst errichten/erreichen wir können einen Altar der Liebe, einen stillen Platz der Einkehr, in unserem Kopf erschaffen. Die passiert in der ÜBUNG der Atemmeditation. Indem wir uns zur ausgesprochenen GÄNZE mit unserem Atemfluss vereinigen, in dem wir Körper und Geist zu einem „Eins“ gestalten, (wir begleiten unseren Atem) wird es uns gelingen ins „JETZT“ zu gelangen.

„Leer“

Es ist uns möglich, an einen Ort in uns selbst zu gelangen, der vollkommen „leer“ von Negativismen – genauso wie von Positivismen ist. Einen Bereich über unserem Denken, an dem wir in „Nichtbewegung“ verharren, entspannt ruhen, von einer Stille der Gedanken sanft umfangen sind. In einer zärtlichen Offenheit der Ideen und Gedankenwerke können wir, im Zeit negierenden, „weiteren“ Verlauf, Strukturen erkennen, die zur „Auflösung“ derer, ihrer Grundwerte führen.

Offenbarte Freude

Ein vollkommen, ein absolutes, ein neues Weltbild („Eine neue Erde“) wird uns deutlich – und es sind vorerst keine Worte zu finden, welche die Freude, die wir bei dieser Offenbarung, die sich außerhalb jeder Gesellschaftsdenke vollzieht, empfinden, auch nur im Entferntesten reflektieren könnten. „Wunder“ passieren. Wir treten in Aktion – werden in Aktion getreten – und das mit dem feinsten Vergnügen überhaupt. Es ist uns möglich, die Wirklichkeit zu sehen – jede Angst ist nun nicht einmal vage Erinnerung.

Fazit

Es vollzieht sich dieser Wandel unbemerkt von einem „Außen“ – in der Schau seiner Nichtexistenz. Die unbedingte Grundlage für jedwede Lebensängste wird als Illusion enttarnt, ein entspanntes Lächeln legt sich über unsere Gedanken. Wir wissen unsere Schritte zärtlich gelenkt, spüren die schützende Hand der absoluten Schöpfungsliebe, fühlen uns in warme Decken des Vertrauens gepackt – in der Eiseskälte des Gesellschaftsdenkens.

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