Ein Gespräch: Die Dynamik unseres Lebens erschöpft sich in Ängsten?

Wie sieht unser subjektives „Jetzt“ (im Übrigen eine klägliche Beschreibung für unser Dasein) denn eigentlich aus. Ehrlich? Sagen wir schlicht: „WOW!“ oder sind wir eher der nachdenkliche Typ, vielleicht der forschende? Oder der Scheissegal-Typ? Oder sind wir in einer religiösen Vorstellung, einer Art von Doktrin verhaftet, die für alles ohnehin eine Erklärung hat. Letztlich unverständlich, aber immerhin. Man sagt diese letzte Erklärung existiere durchaus – also haben wir auch gefälligst daran zu glauben.

Beginnen wir den Diskurs. Die Frage lautet,

Wie definiert „man“ sein irdisches Leben?

Ich mache das Beste draus!“

Ausgezeichnet. Weiter! Aus was machst Du das Beste?

„Na aus dem Leben.“

Fragender Blick.

„… Ok. Aus dem, was mir gegeben ist. Mein Körper und seine Fähigkeiten, mein Geist, meine Fähigkeit zu lernen, zu reflektieren, Schlussfolgerungen zu ziehen – schlicht zu existieren. Und das so gut wie eben unter den gegeben Umständen möglich.“


Und diese Prämissen machen also quasi den Sinn des Lebens aus? Oder gibt es da noch etwas anderes? Gibt es da noch mehr, in Richtung Glauben, Spiritualität?


„Natürlich. Irgendwo muss es ja einen Anfang geben.“

Und ein Ende? Was ist das Ende deines Lebens?

„Nun, wenn der Körper, die Zellen, alt werden, ist der Organismus irgendwann nicht mehr in der Lage, weiter zu existieren. Biologisch, deterministische Mechanik.“


Der Gedanke, dass du, um „das Beste draus zu machen“ lebst, hat damit etwas zu tun? Mit der deterministischen Dynamik?


„Die Zeit, die mir zur Verfügung steht, was auf die Füße zu stellen, ist begrenzt. Carpe diem, oder so.“


Begrenzt vom Ende? Vom Tod also?


„Ja. Der Tod ist das Ende des Lebens. Des Körpers. Wie es danach weiter geht, das weiß doch in Wirklichkeit keiner.“


Macht dir dieser Gedanke an den Tod Angst?


„Eigentlich nicht. Ich lebe ja. Es gibt viel zu tun.“


Was sind das denn für Dinge, die es in Deinem Leben zu tun gibt?


„Oh. Ich möchte, dass es mir gut geht. Dass ich mir Dinge leisten kann. Dafür muss ich etwas tun.“


Dass Dir von diesen Dingen mit dem Tod nichts bleibt, ist Dir klar?


Lacht. „Ja. Aber ich lebe ja.“


Ok. Und Leben, das ist für dich die Zeitspanne zwischen Leben und Tod, die es zu genießen gilt. Einverstanden?

Ja. Kann man durchaus so sagen.“


Ok. Kommen wir doch noch mal auf dieses „es gibt viel zu tun“ zurück. Damit meinst Du den Sinn des Lebens? Oder wie stellt sich der für Dich dar?


„Hm. Ja. Wir sind in dieses Leben geworfen. Und ich glaube, wir sollten ein gutes Leben führen. In moralischer Hinsicht und so. Weil, ich denke doch, dass es da eine Instanz gibt, die das letzten Endes beurteilt.“


Wenn Du tot bist?


„Na ja, Klar. Aber vielleicht gibt es ja die Reinkarnation.“


Ok. Aber wie sieht denn das „moralisch gute Leben“ dann aus? Wer sagt dir, was gut und böse ist?
­
„Das habe ich im Gefühl.“


Aha. Ok. Ich bin der Ansicht, dieses Gefühl wurde durch die Information, durch die Gesellschaft, durch das, was du gelernt und erfahren hast, erzeugt. Kannst Du mir zustimmen?


Überlegt. „Muss wohl so sein.“


Ok. Wirst Du denn diesen Anforderungen gerecht?“


Zum großen Teil, wenn ich nachdenke, ist es die Gesellschaft, die mir ihre Moral, das Urteil über Gut und Schlecht vorschreibt. Ich kann ja gar nicht anders. Ob ich funktioniere? Ja. So wie die meisten. Weißt Du, es ist schon schwer genug, den Regeln der Gesellschaft zu folgen. Wie soll man da noch irgendwelche hehren Glaubensgrundsätze leben? Das funktioniert ja gar nicht. Es bleibt ganz einfach keine Zeit. Es gilt, Geld zu verdienen, den Anforderungen des Lebens in diesem Jahrtausend gerecht zu werden. Wenn Du einen Partner oder vielleicht noch Kinder hast, stehst Du in Verantwortung. “


Verantwortung. Ein sehr stichhaltiger Begriff. Was wird denn, wenn du diesen Verantwortungen nicht gerecht wirst?


„Na … dann geht’s Dir schlecht.“ Lacht verlegen.


Was Du natürlich vermeiden möchtest. Könnte man sagen, Du hast Angst vor diesen Konsequenzen und darum funktionierst Du?


„Ich weiß nicht, ob Angst der richtige Ausdruck ist. Aber klar, es bestimmt mein Verhalten.“


Du meinst Angst sei nicht die richtige Beschreibung? Wie sind denn die Konsequenzen? Die sind doch furchterregend. Denk mal nach!


„Ooookkkeeee …. Irgendwo hat Du Recht. Es sind eine Menge Ängste, die mein Leben bestimmen. Aber das ist psychiatrischer Kram.“


Lassen wir die Psychologie als Wissenschaft mal aus dem Spiel. Darum geht’s nicht. Du kannst also erkennen, dass ein Großteil deiner Aktionen, Deines Denkens, Deiner Art und Weise zu leben und das Dasein zu betrachten, von so etwas wie Angst bestimmt sind?


Lächelt. „Gut Du hast mich festgenagelt. Und weiter? Was soll ich denn nun mit dieser großartigen Erkenntnis anfangen? Wird die Angst durch das Wissen um die Angst weniger?“


Allerdings! Denn nur, wenn man den Feind erkennt, kann man gegen ihn angehen. Und hier, in der Erkenntnis der eigenen Ängste, liegt der Ansatzpunkt, diese, man kann sie guten Gewissens „Traumata“ nennen, aufzulösen.


„Na klar! Toller Gedanke. Wäre famos, müsste man keine Angst mehr haben. Aber das Leben ist nun mal gefährlich, manchmal ist Angst ungeheuer wichtig.“


Abgesehen von der psychischen, der lebensrettenden Angst, reden wir, meine ich, von einer anderen, wesentlich umfassenderen Dimension der Angst. Der Lebensangst schlechthin. Glaubst Du nicht auch? Ich meine generell die Vielzahl von Ängsten, die Dich tun lassen, was Du tust. Die Dich zur Gänze einsperren, reglementieren, manipulieren, Dich auf eine einsame Insel Deiner Gedanken verdammen. Sieh einfach mal nach, in Deinem Lebern. Und dann sage mir, was nicht durch Angst bestimmt ist.


Fast hastig: „Ah! Ich habe keine Angst beim … Äh … Äh … Fußballspielen! Beim … Sex . „


Ah. Das sind also Gelegenheiten, die nicht mit Angst belegt sind? Was ist mit der Angst sich zu blamieren? Was ist mit Verlustangst? Was ist mit den Ängsten, nicht so zu sein, wie es ganz generell erwartet wird? Abgesehen davon – wie lange dauert Dein Fußball, Dein Sex? Und der Rest deines Lebens ist durchdrungen von Angst? Ganz offensichtlich.


„Ähm. Findest Du nicht, dass das hier eine ziemlich schwarze Sicht der Dinge ist? Wollen wir nicht über etwas anderes reden?“

Hier hast Du den Punkt. Das ist eine Sache, die sich niemand gerne, wenn überhaupt, ansieht. Und so kann auch niemand die Ursachen all dieser Ängste erkennen. Eine Angst, die als gegeben akzeptiert ist, wird nicht mehr als Angst erkannt, obwohl sie solche durchaus ist. Wir leben unsere Ängste und haben diesen bedauernswerten Zustand als gegeben akzeptiert, nehmen ihn, durchaus leidend, hin.


Lächelnd. „Das sagst Du so. Wir können ja aber nun schlechterdings nicht an dieser Situation ändern, nicht wahr?“


Lacht nun ebenfalls. Und ob wir das können! Das ist unser Ziel, das ist unsere Bestimmung, das ist alles, was wir lernen und lehren, auf unserem Weg! Jeder einzelne von uns Menschen.


„Und was möchtest Du tun, gegen diese allgemeine, alles umfassende „Angst“?“


Was tun mit Illusionen? Sie auflösen!

„Illusionen? Die Ängste auflösen? Aber wie denn?“


Durch eine Grundüberzeugung. Einen einfachen Gedanken.


„Und der wäre? Ich meine, wenn Du mit Angst, das meinst, das Leben, dann muss das schon verdammt grandios sein.“ Lacht.


Ist es auch. Überragend, überbordernd und genial einfach!

Ok. Versuchs mal zu erklären! Vielleicht bin ich ja dumm.“

Nicht dumm. Einfach nur ohne Sehkraft. Blind.

Aha.“

Wir machen uns einen absoluten Gedanken, den einzigen wahren Gedanken zur Grundlage: Die Schöpfung ist Liebe.



Warum sollte das so sein?“


Weil Liebe (und eng mit ihr verwandte Begrifflichkeiten) in diesem Kommunikationssystem die tatsächlich einzigen Begriffe sind, die ohne Gegensätze, ohne Urteil auskommen. Das ist die Grundlage für das Universum. Für die Schöpfung. Sie ist allumfassend. Liebe ist absolut, enthält alles, wirklich alles. Hass oder Tod, dagegen, diese vermeintlichen Wahrheiten, Leiden, sind begrenzt, leben vom Gegensatz. Und sind doch von Liebe umschlungen, – sie löst ihre Bedeutung hin zu dem auf, was sie immer waren: Nicht existent.

So, wenn wir uns dieser umwerfenden Perspektive erschließen, tut sich die Frage auf, wie denn die Liebe – als Schöpfer unserer Welt – eine dermaßen hässliche Anhäufung von Elend, Hunger, Krankheit, Krieg, Leid, ja nicht nur zulassen kann – sondern vielmehr als absoluter Schöpfer ja doch auch erfunden haben muss. Eine unauflösbare Diskrepanz, so scheint es. Und hier verlieren viele denkende Menschen ihren Glauben, ihr Vertrauen. Zweifeln. Die verborgenen Ängste treten in den Vordergrund.

Die – dabei die herkömmliche Gedankenstruktur überfordernde, ganz einfache, wunderschöne Auflösung dieser gerade dargestellten Diskrepanz, der Asymmetrie, der Disharmonie, der Schizophrenie, der Existenz inmitten zweier nicht zueinander passenden, sich diametral gegenüber stehender Denksysteme, in der wir leben – ist die Erkenntnis, dass dies nicht die Schöpfung der Liebe sein kann, eine liebende Schöpfung keinen Menschen, das Abbild der Liebe, als vergänglichen Körper, dem Leiden unterworfen, mit Krankheiten und Leid und dem Tod verhafteten SOHN GOTTES erschaffen würde. Das ist, muss Illusion sein.

Die unverbrüchliche Wahrheit ist, dass wir in einer Welt der Liebe leben. Denn nichts anderes hat die Schöpfung erschaffen, von Anbeginn – zeitlos, alles umfassend und ihr gleich. Nur dies ist die Wahrheit, die wir zu erkennen – in unserer Trennung durch den Gedanken eines strafenden Gottes – nicht in der Lage sind. Wir sind blind. Gefangen in Gedanken- Schuld- Strukturen, die nichts mit dem zu tun haben, was die Wirklichkeit, die Wahrheit ist.

Und die realistische, die tatsächlich in dieser unserer erlebten Realität stattfindende Auflösung dieser Ängste, dieser ganzheitlichen, üblen Gedankenstruktur, die uns gefangen hält in unbeschreiblichen Konventionen, ist der Weg der liebevollen Gedanken. Die Expansion von Liebe. Das heißt Vergebung. Das heißt Zärtlichkeit. Das meint liebevolles Denken und Handeln. Dagegen ist die Egostruktur machtlos. Sie wird zu Nichts. Die Liebe kennt keine Zeit.

Diese Einsicht, diese Erkenntnis, dass, was wir als gelebtes Leben betrachten, nur eine Reflektion unserer Gedanken, der Bilder in unserem Geist ist, eine Illusion, ein Traum, gestattet es uns, die Wahrheit mehr und mehr und deutlicher zu erkennen. Das passiert ganz WUNDERvoll, sehr subtil. Der Alltag verändert sich zum Positiven. DINGE PASSIEREN. Mit dem Vertrauen als wichtigste Basis. Vertrauen in das liebevolle Sosein der Liebe. Ich brauche nichts zu tun. Ich bin in jedem Sekundenbruchteil meines Traumes von Liebe in Perfektion umfangen.

Fazit

Das ist die Wahrheit, die es anzunehmen gilt, in die es zu vertrauen gilt. Das meint: Wir sind die Liebe. Der Tod existiert nicht. Wir träumen als Unsterbliche, in der großen Einheit, unser menschliches Dasein. Und die Wahrheit der absoluten Liebe, (nicht der von der Gesellschaft postulierten, mechanischen, urteilenden Liebe) lässt uns mehr und mehr aus diesem Traum erwachen – zu einem Leben, so schön, wie wir es nie auch nur vorstellen konnten.



PS

(Der Gesprächspartner ist schon vor fünf Minuten wortlos aufgestanden und gegangen)

Intressant

Das schuldlose Ich lieben?

Wir vergewaltigen die Zeit hin zur Schuld!

Die Bausteine unseres Daseins – Illusionen – gefertigt aus Ignoranz und Farcen?

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