Was bedeutet eigentlich Dualismus?

Dualismus

Dualismus – die Grundlage westlichen Denkens?

Steigt man in ein wirklich spirituelles Gespräch ein, weit weg von allen Ritualen und Chantings, von allen Meditations- und Körperübungen die zur Erleuchtung führen sollen, weit entfernt auch von den spirituellen Führern, die das Heil ihrer Jünger mittels einer nahezu diktarorisch anmutenden „Heilsstruktur“ anstreben, – ist man an einem solchen Diskurs beteiligt, wird zwangsläufig sehr schnell das Wort „Dualismus“ auf’s Tapet gelangen.

Wu?

Um die wirkliche Bedeutung dieser Begrifflichkeit des Dualismus zu verstehen, ist es am Besten, zumindest ein adäquater Weg, sich mit den Schriften des Zen-Buddhismus zu befassen. Einen wunderbaren Erklärungsansatz findet man auch in Werken des „Dadaismus“ der frühen 70 ziger. Schauen wir uns doch dieses so wichtige Wort einfach einmal an. Das Duale, die Zweiheit steckt darin. Duo. Dos. Zwei. Die Reduktion eines Etwas auf zwei Betrachtungsweisen.

Analytisches Denken des Westens?

Der Begriff Dualismus umschreibt das analytische Denken des westlich orientierten Menschen. Weit weg von dieser ursprünglichen Begrenzung auf zwei unterschiedliche Standpunkte der Betrachtung, wird weiter partitioniert, bis scheinbar nicht mehr übrig bleibt. Im analytischen Denken stellt der Dualismus eine Kettenreaktion, tatsächlich vergleichbar mit einer nicht enden wollenden nuklearen Explosion, dar. Die erste Unterscheidung zwischen „Gut“ und „Böse“ die Zündung.

Adam und Eva?

Hier stoßen wir, was nicht weiter erstaunlich ist, auch auf ein Erklärungsschema im christlichen Glauben. Einige Wahrheiten haben sich auch in diesen überlieferten Worten und Maßregeln gehalten, welche die Menschen zum großen Teil, vollkommen desorientiert, als Wort Gottes erkennen möchten. In diesem Sammelsurium der Bibel finden sich die Worte zum Paradies, zum Baum der Erkenntnis, der verbotenen Frucht.

Kette der Zerteilung ins Chaotische?

Dort ist der Anfang der oben erwähnten Chaoskette, der Beginn des Menschentraumes, der Anfang des egoverhafteten Denkens, die Trennung von Gott, von der bedingungslosen Liebe, beschrieben. Es ist dieser vage Augenblick als Adam dern Apfel von Eva annimmt. Als sich die „Erkenntnis“ des Dualsimus auftut. Der Augenblick der Entscheidung des freien menschlichen Willens als Kind Gottes, etwas als „Verboten“ anzusehen, also eine Entscheidung zu treffen, zwischen „Gut“ und „Böse“. Sich also von der Alleinheit Gottes, der absolut ist und keine Unterschiede kennt, zu trennen.

Sich ausdehnende Trennung von Gott?

Diese Trennung – eigentlich nur ein Denkfehler – besteht bis heute, sich ausdehnend wie das Universum. Aus dieser „Erkenntnis“ heraus, entschied sich der Geist für ein Leben in eben diesem Dualismus, der nichts anderes meinen will, als Vergänglichkeit, Krankheit, Leiden, Siechtum und Tod, wie sie der Buddhismus als „Anhaftungen“ kennt. Im christlichen Glauben wurde das Ganze in unglaublicher Weise reduziert und reglementiert, bis wir die fabelhafte Begrifflichkeit der „Sünde“ vorfanden.

Dualismus – Urgrund des menschlichen Leidens?

Das so einfach anmutende Wort „“Dualismus“ entpuppt sich als der Urgrund des menschlichen Leidens. Aus ihm entsteht Ungewissheit, zusammen mit ihr zwangsläufig die Angst. Die Angst, die das Leben der Menschheit nicht lediglich tangiert, sondern in regelrechter Weise ausmacht. Die beinahe faszinierende Eigenschaft des dualen Gedankens, in perfider Weise ganz ähnlich der Liebe, er dehnt sich nämlich aus.

Aufspalten bis zum Unverständnis?

Das menschliche Denken dividiert, partitioniert, ausgehend von diesem ersten verhängnisvollen Denkansatz, immer weiter, ohne Ende. Dies ist der Punkt. Das menschliche Denken, die Egostruktur teilt, nimmt weg – die Schöpfung gestaltet das Ganze. Was ganz offensichtlich wird: Wir verlieren uns in der Existenz einer dualistischen Denkstruktur, die immer weiter aufteilt, immer mehr vom Gedanken der Alleinheit abkommt, die Trennung von Gott, Schöpfung, Liebe somit zunehmend manifestiert.

Abseits jeder Hierarchie?

Wahre, wirkliche Spiritualität, – die Abkürzung des Pfades, auf dem wir uns alle unweigerlich befinden – benötigt Disziplin. Doch ist diese Disziplin lediglich dazu aufzuwenden, den Gedanken der Disziplin aufzulösen. Hier liegt eine Offensichtlichkeit, an der viele Menschen scheitern. Denn ein solcher Versuch führt an den Abgrund des bisherigen Ichs. Das Ego suggeriert unheimliche Angst, schon bei der bloßen Betrachtung dieser Möglichkeit. Regeln, Hierarchien – damit Furcht vor Repression, wie auch immer Unterschiede, damit Angst – sichern seine Existenz.

Die Dunkelheit der negativen Gedanken vor unserem Erkennen

Wenn also hier von Disziplin die Rede ist, dann ist damit die praktische Übung an den bestehenden Denkstrukturen gemeint. Es sind genau diese ausgesprochen chaotischen, scheinbar ineinander verwobenen, sich selbst bestätigenden und doch jeden Augenblick sich individuell ändernden Gedankenknäuel, welche die Dunkelheit vor unserem wirklichen Sehen ausmachen. Der Abgrund von dem vorher gesprochen wurde, ist die Entscheidung, die jede Seele einmal treffen wird – doch es ist der Sprung von einem schwarzen, verbrannten Felsen in einen vermeintlichen Abgrund – landen wird man auf „Goldenem Grund“ wie ein Mönch vor vielen Jahrhunderten einmal formulierte.

Was ist dieser Sprung in den „Abgrund“?

Es ist der Augenblick des Verständnisses. Der Moment, an dem man erkennt, wie es um die Wertigkeiten dieses Lebens bestellt ist. In dem man sich entscheidet, diese Struktur der Urteile und Ängste zu verlasssen, um sein Vertrauen in die einzigen Hände zu legen, die es in der Wirklichkeit, der Wahrheit gibt – es sind die des Vaters, die uns umfassen, die wir selbst sind.

Dualismus ist eine egoverhaftete Denkstruktur?

Dualismus ist also die egoverhaftete Denkstruktur, die in zutiefst zwiegespalterner Art und Weise jedwedes Ding zerteilt, zersplittert, und sich diebisch freut, wenn es ihr angeblich gelingt, einzelne Fragmente wieder zusammen zu setzen, so dass sie einen – wie auch immer – Sinn ergeben. Fast beschwört dies das Bild eines gigantischen Stücks Käse herauf, in dem die Menschlein vorgefertigten Gängen folgen, sich in Löchern des Käseleibes verstecken, manche wagen sogar, eigene Tunnel zu graben, doch immer bleiben sie in dem Gewirr der Gänge gefangen. .

Im Dualismus kann es keine Wahrhaftigkeit geben?

Zu versuchen, in diesem Denken einen Sinn zu finden, eine Wahrhaftigkeit, muss immer scheitern. Die Suche nach Gott, nach der Schöpfung, der Liebe, bleibt, so man in diesem Gedanken der Dualität verhaftet ist, vollkommen sinnlos. Es kann sich hier keine Art von Vertrauen in irgendetwas ergeben – alles ist dem Gedanken der Vergänglichkeit, des Unterschiedes, des Urteils, der Sünde und damit der Angst ausgeliefert.

Der moderne Tantra Pfad
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Hinter den Gedankenberg blicken?

Ist man in der Lage, dieses Gedankengebäude des Dualismus zu erkennen, wird deutlich, dass dahinter die Herrlichkeit verborgen liegt. Die wunderbare Nachricht ist, uns allen ist es gegeben, – es ist unser Weg – dies zu erkennen. Die Schöpfung, die Liebe, kennt keine Zeit, unser sehnliches Streben nach dem vertrauensvollen Urgrund ist längst erfüllt – er ist da – nur können wir ihn nicht erkennen, wegen der Lumpen des dualistischen Sehens, der vor unseren Augen klebt.

Staunende Ehrfurcht voller Freude?

Was die Erkenntnis mit sich bringt, das ist ein so gewaltiges und tiefes, von staunender Ehrfurcht erfülltes Gefühl der Freude am Leben, dass ihm nichts gleichkommt. Und doch ist es nur ein milder, sanfter, nahezu vager Abglanz der wahren Herrlichkeit. Es ist letztlich das Wissen um die Ganzheit der Schöpfung – es ist das Leben in einem schönen Traum, mit der Gewissheit des Aufwachens zur Unsterblichkeit. Denn wie könnte die Schöpfung, die Liebe Anfang und Ende kennen?

Sprung auf „Goldenen Grund“?

Es ist dieser Sprung in den Abgrund, um auf „Goldenem Grund“ zu landen, kein Abbruch des Lebens, das bis dahin geführt wurde – keine Abkehr ins Eremitentum, in unerreichbare, mystische, mysteriöse, distanzierte Heiligkeit. Die Schöpfung, Gott die Liebe, ist kein Geheimnis, sie ist nicht nur von Auserwählten zu erreichen. Mit der Erkenntnis ändern sich unsere Wertigkeiten. Wir sind in der Lage das Schöne, die Wirklichkeit anzunehmen und so auch zu sehen.

Fazit

Das einzige Gegenmittel, dass die Menschen aus diesem Denkgefängnis der dualistischen Denkstrukturen des Ego erlöst – ist die wahre Liebe, die Schöpfung selbst – in Form von liebevollen Gedanken, die keine Unterschiede beinhalten, das Negative auflösen, zur Seite schieben, nicht der Beachtung Wert finden. Die Meditation, ein Mantra – kann unser ganzes Denken ausfüllen – hier tun sich nun Chanting als auch alle Arten der Bewegung, beispielsweise des Tanzes – schlicht der Körperlichkeit, als Möglichkeit auf – was uns auch zum Tantra führen kann. Immer geht es um die Wahrheit, die vollständig, also ohne Unterschiede, absolut ist.

„IF YOU MEET BUDDHA ON YOUR WAY – KILL HIM!“

Was ist mit Angst und Verteidigung, Angriff und Wut?

Angst und Zorn

„Du Arschloch!“

Ein Wort, nicht umsonst wird es „Schimpfwort“ genannt, das, in einem gewissen Tonfall, einer bestimmten Situation ausgesprochen, durchaus beleidigend wirken kann. Es geht also um eine Beleidigung. Wenn wir uns die Sache betrachten, was anderes als ein Urteil, eine Einordnung also, ist das? Es stellt ein perfides Urteil aus einem noch perfideren Denksystemsystem dar, welches alles grundsätzlich verurteilen muss, was nicht in die Schablone, das Konzept passt, – welches für „Richtig“ steht.

Angriff entsteht immer aus Angst

Eine Beleidigung ist – ganz grundsätzlich ein Angriff. Ob dieser Angriff nun Angriff genannt wird, oder Verteidigung – er entsteht immer aus Angst. Es gilt die Grenzen dessen, was man sich zurechtgelegt hat, zu verteidigen. Und jeder Versuch anderer, sich diesen Grenzen auch nur zu nähern, wird mit Angriff/Verteidigung beantwortet. Aus Angst, mit allen zu Verfügung stehenden probaten Mitteln des Moments. Die Angst aber begründet sich in Verwirrung.

Ein Leben in Erklärungsschablonen

Wir versuchen, mit Erklärungsschablonen wahrzunehmen – unser Leben entsteht aus ihnen – und eine Schablone ist nun einmal, was sie ist. Nämlich absolute Begrenzung, gewollte Formgebung ohne Spielraum. Die Verwirrung entsteht, wenn die vermeintlich so stete und allumfassende, grundlegende Wahrheit, die uns als Leitfaden dient – eben dieses schablonisierte Bild, aus vollkommen unzureichenden Informationen zusammen gebastelt, sich als durch und durch chaotisch und unbeständig erweist.

Der moderne Tantra Pfad

Dynamik der Angst

Dies scheint die Dynamik des Lebens zu sein: Angriff und Verteidigung von Schablonen, die kurze furchtbare Erkenntnis, dass alles lediglich Chaos ist – daraus erneut resultierend Angriff, Verteidigung des Körpers, der verinnerlichten Egobilder – alles zusammen gehalten von einer Unmenge an Angst in allen Facetten, gekrönt durch das Wissen um den unvermeidlichen Tod, begleitet von Krankheit und Alter.

Hexenkessel der Urteile

Wie, so drängt sich die Frage auf, soll auf diesem Schlachtfeld der Angst, voll von Gräben und Begrenzungen, basierend auf Schuldzuweisungen, Zorn und Urteil, – wo soll hier die Liebe Platz finden, die Liebe, die kein Urteil, weder positiv noch negativ, kennt? Wo in dieser Gedankenstruktur sollte sie ein Daheim finden? Die Schöpfung, die Liebe, gewinnt diesem sinnlosen Gezeter nichts ab, trotzdem sie still und unbemerkt in unserem tiefsten Inneren, mit ihrer leisen Flamme leuchtet.

Negative Egostrukturen auflösen

So ist es denn an uns alleine, es ist unser Denken, es sind unsere Gedanken, die wir transformieren müssen. Diese Denkstruktur des Urteilens aufzulösen, welches sich einbildet, die Schöpfung angreifen zu können, ja überhaupt in der Lage zu sein, sie auch nur im Geringsten zu erkennen. Wir müssen der Liebe einen Altar in unserem tiefsten Inneren anbieten. Einen Platz, der ihrer Glorie würdig ist.

Das Ego kämpft mit aller Härte

Da dies aber ein Platz außerhalb jeder Dualität ist, wird das Ego entsprechend mit Entsetzen reagieren. Es wird, in Angriff und Verteidigung gefangen, das, was da vielleicht zu sehen ist, was so schön aufleuchtet, für einen winzigen Augenblick, sofort partitionieren, mit Etiketten versehen, beurteilen, einordnen. Dann nimmt es die Einzelteile und zerlegt diese weiter, bis nichts als hohle, sinnlose Gedankenhüllen vom heiligen Ganzen übrig bleiben.

Bedingungslose Liebe löst das Ego auf

Doch gegen die bedingungslose Liebe ist das Ego ohnmächtig. Darum ist die Angst der Menschen so groß. Sie fürchten die Liebe, weil sie ihr Ego genauso bedingungslos leben – und dies wäre das Ende des Egotraumes, der aus Schuld, Urteil, Sünde, Strafe, Vergänglichkeit und Leiden besteht. Weil sie aber dies alles nicht verstehen, suchen die Menschen in den Denkstrukturen des Egos, in vorgefertigten Schablonen, die wahre Liebe zu finden. Und scheitern allesamt kläglich.

Fixiert auf den Körper?

Diese Suche nach der Liebe über die Wahrnehmung ist in vielen Fällen so gebunden durch Egoideen, dass die Körperlichkeit absoluten Vorrang hat. Ein grausames Spiel mit der Zeit hat dann begonnen. Doch selbst wenn der Punkt erreicht ist, an dem verstanden wird, dass der Körper nur Instrument ist – und eine im Vergleich sehr untergeordnete Rolle spielt, sind es doch noch immer dualistische Egoideen der Körperlichkeit, des Urteils, der Angst, die uns grundlegend manipulieren, uns begrenzen und in Verhaltensschemata, Schablonen pressen.

Gesellschaftsformate

Die große Angst in unserem Leben ist letztendlich nur die Furcht davor, nicht in die gewünschte Schablone zu passen, eine andere zu bevorzugen, mit einer nicht gewollten unterwegs zu sein – also die Angst, falsche Dinge zu tun, die nicht zu dem gewünschten Format, den von der Gesellschaft postulierten Standards passen. Wir fürchten uns vor dem, was wir als Leben betrachten. Und jede Sinnsuche in dieser Denkstruktur schlägt unweigerlich fehl.

Die Wirklichkeit außerhalb des Traums

Sinn heißt Wahrheit – eine Wahrheit, die über jeder Verurteilung steht, weil sie absolut ist, darum kein Gut und kein Böse, kein Schön und Hässlich kennt. Wie könnte eine solche Wahrheit auch nur das Geringste zu tun haben, mit dem Denken der menschlichen Gesellschaft, wie es sich präsentiert – gefangen im Traum der Vergänglichkeit, der Schuld, der übergroßen Angst? Doch brennt in jedem Einzelnen von uns dieses Licht, es ist niemals erloschen. Die Liebe, nur der Versuch zu lieben, wirklich zu lieben, löst dieses Denkmuster auf.

Die Liebe vernimmt jeden Ruf

Nur die winzige Bitte, die kleine Bereitschaft, die Liebe, in ihrer Wirklichkeit, einzulassen, genügt. Die Schöpfung, die Liebe hört diesen Ruf, und sie erscheint – langsam – so dass du nicht Gefahr läufst, verrückt zu werden, dir die prächtige Wahrheit aufzutun. Tür für Tür. Hin zu einem Verschwinden der Angst, der Auflösung von Angriff und Verteidigung als auch der Idee der Vergänglichkeit.

Fazit

Dies ist dein Weg – denn diese kleine Bitte hast du längst getan – und die Liebe, die Schöpfung hat deinen Wunsch seit Beginn der Zeit bereits erfüllt. So ist dein Ziel denn längst erreicht – denn du bist der du bist – nur verschleiern die Egostrukturen, wie traurige Dunkelheit, das zarte Strahlen der mächtigen Wirklichkeit, dass doch immer zu spüren ist. Gib, was du an Liebe hast, und dein Ruf ist vernommen – mehr ist nicht notwendig, die Liebe wird dich umfangen.

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