Die Kunst des Atmens

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Der Weg des Lords

Wie wir nach einem Studium leicht erkennen können, finden sich in den wenigen Worten, die der Lord Buddha zur Atemmeditation tut, sämtliche Aspekte seiner Lehre wieder – will meinen, letztendlich könnte sich die buddhistische Weltanschauung, der Weg hin zur Erleuchtung, in diesen knapp bemessenen Zeilen erschöpfen. Wobei dieser „Minimalismus“ selbstverständlich weder die Qualität des Textes, die außerhalb jeder Wertung steht, berührt– noch letztlich die Aussage über die Länge von irgendeiner Relevanz ist.

Die lebendigste Idee

Der Pfad der hier aufgezeigt ist, ist der vollkommen lebendige, buddhistische Gedanke im Jetzt. Die Betonung – auch ganz generell und im großen, universalen Zusammenhang ,liegt auf „Lebendig“. Denn die Idee des Buddhismus – es handelt sich um die Quellidee schlechthin – ist lebendig – sie ist der Gedanke des Lebens überhaupt – und als solcher setzt er sich, zuallererst und in Grundsätzlichkeit, über all das hinweg, das sich Wertigkeit nennt. Und sehr einfach: Dazu gehört auch der Tod.

Heute im Jetzt

Es ist in der Satipatthana Sutta – in der Vipassana- und Achtsamkeitsmeditation, eine deutliche Heilslehre, eine Anleitung, zur Wahrheit und zur Wirklichkeit zu finden, die sich lebendig – in unserem Heute – leben lässt. Die Tatsache dass ihr „Denkmodell“ diametral zu dem der Gesellschaft steht – macht die Philosophie rund um jeden Versuch aus, diese Wahrheit, den Sinn im Leben zu finden.

Ausgedehnte Erklärungsversuche

Weil die Hinführung zu diesem anderen Denkkonzept – (und nicht anderes als Versuche, den Menschen dieses zumindest näher zu bringen, sind sämtliche wahrhaftigen „Heilslehren“) – sich als ausgesprochen schwierig erweist, (es ist gegen eine „Grundprogrammierung“ „anzukämpfen“) ergehen sich die Verfasser in langwierigen Erklärungsversuchen, die durch die Zeit und andere Einflüsse auch noch schrecklich deformiert sind – in ihrer ohnehin komplexen, ausgesprochen komplizierten und darum auch fragilen und anfälligen Form.

Papierwerk

Wir reden hier – sie vertun sich nicht – auch von Bibel, Koran, von der Bhagavad gita und sämtlichen Schriften, die jemals zum Thema Erlösung verfasst worden sind. Auch wenn Sie in ihrem Ursprung einmal ehrlich formuliert waren. PAPIERWERK. Diese Dokumente sind wertlos – wie jedes „Wort“. Was all den Lehrwegen dennoch gemeinsam ist, ist die Verortung der „Schöpfung“ auf einem nicht erreichbaren Podest. Das mag nicht immer offensichtlich sein – doch die hervorragende Tendenz ist eine schier unüberwindbare Distanz zwischen Gottesidee und Mensch.

Ziel ist, die Trennung aufzulösen

Alles was immer schon erreicht werden sollte, ist es, diese, erst durch das denkende Urteil entstandene, Figuration der Trennung aufzulösen. Jede Schrift, die zur Wahrheit führt, verinnerlicht diesen Wunsch – versucht Wege, Verhaltensweisen, Körperübungen, Methodik, letztlich Paradigmen – Hierarchien – aufzuzeigen, die diesem Wunsch Gestalt geben mögen. So führt der Versuch, im gegebenen dualen Kontext, „Wahrheit“ zu vermitteln, zu gigantischen Erklärungsgerüsten, denen lediglich eine Minderheit wirklich folgen kann – der Rest gibt sich mit Parolen zufrieden. Wir reden wiederum von all den Werken der Spiritualität, die jemals verfasst worden sind. Man muss an dieser Stelle verstehen, dass nicht „wirklich“ verstanden werden kann.

Es ist uns unmöglich wirklich zu verstehen

Das ist ein wichtiger Punkt, von dem aus wir ein paar Schritte weiter gelangen. Wir sind mit den uns gegebenen „Mitteln“ (Daten, Informationen, Werkzeugen) nicht in der Lage, wirklich zu verstehen. Wenn es heißt „gegebene Mittel“, so ist jene Handhabe gemeint, von deren Existenz wir wissen. Das wiederum bedeutet, dass die einzige Möglichkeit, den Menschen den Erlösungsgedanken zumindest näher zu bringen, darin besteht, ihnen die benötigten Mittel auf ihrer eigenen Denk/Verstehensebene dazulegen.

Durch Manipulation blind in Ketten gehalten

Und hier wird wieder einmal deutlich, wie zentral und durchdringend wahrheitlich das Bild von dem Menschen ist, der, vollkommen blind „gemacht“ (manipuliert) von den Einflüssen der „Welt“, die Liebe und den Sinn des Daseins in den Möglichkeiten sucht – und zu erkennen versucht, – wie sie ihm sein Ego aufzeigt. Natürlich vergebens. Um hier irgendeine Wahrheit finden zu können, wäre ein „fixer Punkt“ notwendig. Doch den suchen wir im herrschenden Denkkonstrukt der Menschheit vergebens.

In Grenzen definiert

Die Dynamik des bestehenden Denksystems ergibt sich aus seinen Grenzen. Es definiert sich in Beschränkung. In Kleinheit. Jede angewandte Definition in dieser verrückten Logik beschränkt. Nur in Begrenzung, im Ausschluss, in einer Negation – wenn man so will – kann eine Begrifflichkeit – oder die Begrifflichkeit einer Begrifflichkeit´“verstanden“ werden. Was auch nicht mehr heißt, als das wir uns der Sache ein wenig nähern – das „Verstehen“ ist selektiv. .

Überaus dehnbare Standpunkte

Jeder „Standpunkt“ in diesem System ist hyperelativ, vergebens wird man versuchen, zu einem Urgrund zu gelangen. Die Reaktion der Menschen auf dieses – begrenzte und von der eigenen Logik her im Sterben liegende – Gedankenkonstrukt, dem sie sich unterwerfen, ist Angst. Das Streben im Leben ist also nunmehr, den fehlenden festen Punkt in unserem Lebenssinn, unserer Daseinslogik, durch etwas ähnlich andauerndes zu ersetzen.

Gott auf einer anderen Ebene

Wir suchen die fehlende Fürsorge Gottes, der da irgendwo auf seinem Piedestal sitzt und seine Katze streichelt, durch Beziehungen, die wir in unserem Leben eingehen, auszugleichen. Geistige, emotionale, materielle Beziehungen zu Dingen, Tieren, anderen Menschen. Wir sehen uns der Liebe Gottes beraubt – man hat uns aus dem Paradies geworfen (so heißt es zumindest)– und das Ego hat einen riesigen Rummelplatz aufgebaut, um uns das vergessen zumachen.

Vorlaute, voreilige Feststellung

An dieser Stelle kürzen wir die eigentlich anstehende Erklärung der Angelegenheit ab – wir vertrauen auf den Intellekt der Leser. Warum? Weil sich in einem der letzten Sätze eine wunderschöne „Deutungs-Brücke“ befindet. Nämlich: „ man hat uns aus dem Paradies geworfen“. Mit diesem Satzfragment, dieser vorlauten, voreiligen Feststellung, haben wir die Gelegenheit, eben diese Abkürzung in unserer Argumentation zu tun. Lasst uns diesen Pfad wandern!

Leidvolles Dasein

Hier liegt nun, in diesen paar Worten, unser gesamtes Ach und Weh dieses Daseins verpackt. Man hat uns uns aus dem Paradies geworfen. Das heißt – Tod, Leid, Krankheit, Kriege, Gier – das ganze Paket an menschlicher Verworfenheit (und vorgeblich göttlicher Fügung) – das ist es nunmehr, das unser Dasein beschreibt. Und entweder sind wir stinksauer auf eine Schöpfung, die so etwas zulässt, resigniert, oder wir suchen bei uns selbst die Schuld. Eine traurige Sache – soviel scheint deutlich zu sein.

Traurige Akzeptanz

In keiner dieser Verhaltensoptionen steckt ein wirklicher Lösungsansatz – also versuchen wir nun, mit verschiedensten Mitteln, noch dazu unfreiwillig in diese Welt hineingeboren,, uns diesem Gemälde zu stellen. Gezwungenermaßen. Will meinen, wir nehmen all das, was uns da serviert wird, an. Wir akzeptieren es. Wir leben es. Wir machen das Beste daraus. Und mit jeder Handlung in diesem Regelwerk rutschen wir – ganzheitlich mit Körper und Geist – weiter hinein, in dieses komplexe, traurige Labyrinth unseres Denkens.

Ein Gott, der Liebe, der seine Kinder leiden und sterben lässt

Was nun zu erkennen ist: Das gesamte Leid der Menschheit – ruht auf der Tatsache, dass uns die Schöpfung einen paradiesischen Zustand unseres Dasein verwehrt. Ist unser Leben etwas anderes als eine Trotzreaktion? Nun, Grund zum Unmut hätte man allemal – betrachtet man die Welt in der wir leben. Ein feiner, liebender Gott, der seinen Kindern eine solche Existenz aufzwingt. (Unter Schmerzen sollst Du …)

Mehr als unvernünftig – vollkommen verrückt

Und nun ist es notwendig – angesichts all der Unvernunft, die sich in einem gigantischen Denksystem der Wertung und des Urteils – der „Sünde“ – sich potenzierend dabei – aufgebaut hat – wirkliche Vernunft anzuwenden. Die intellektuelle und auch emotionale Fähigkeit des Lesers, von der vorhin die Rede war. Wenn wir davon ausgehen, dass die Schöpfung Liebe ist – (sie ist absolut und kann darum nur Liebe/Schöpfung sein – zwingende Logik zum Absoluten) dann stellt sich die einfachste Frage, wie denn ein liebender seinen Kindern ein solches Leben aufoktroyieren kann?

Verlassene Kinder Gottes?

Wie kann ein absoluter Schöpfer, der die Liebe darstellen muss, seine Kinder als bald verwesliche Klumpen Fleisch mit Nervensystem – in einer Welt der Krankheit und des Krieges, der verkommenen Moral, der Geldscheine, erschaffen? Wie könnte Gott seine Kinder verlassen? Wie? Welcher Gott wäre das? Welche Liebe wäre das? Wir kommen – in VERÜNFTIGER Betrachtung dieser Konstellation zu dem Schluss, dass dies nicht möglich ist. Es geht einfach nicht.

Reine, klare Vernunft

So kommen wir also aus reiner Vernunft zu dem Schluss, dass das, was wir wahrnehmen, von der Welt, nicht die von der Schöpfung erschaffene, gewollte „Schöpfung“ ist – sie kann so nicht existieren – es ist vollkommen offenbar, für eine Vernunft, dass ein liebender Gott eine solche Welt niemals als die seine bezeichnen würde. Das heißt vollkommen deutlich, unsere Wahrnehmung ist Illusion. Dies nun empirisch aus spiritueller Sicht – die Quantenwissenschaft, schon die normale Biologie, bestätigt und unterstreicht diese Tatsache.

Buddha beschreibt den Ort der Stille

Wir leben in einer Illusion – die einen unbeschreiblichen Krach macht. Die zärtlich leise Stimme der Schöpfung, der Liebe, können wir nicht hören. Wir sind taub geworden. Diese Situation der Menschen erkennt auch Buddha – und in seiner Anleitung zur Meditation erklärt er, wie ein Ort der Stille zu erreichen ist, von dem aus es möglich ist, all die Anhaftungen, die den Lärm erst erzeugen – ganz unabhängig von jedem Zeitbegriff – aufzulösen.

Ein Pfad in der Zeit

Wir befinden uns dann auf dem Pfad. Und alle Aussagen des Ehrwürdigen sprechen aus, dass es notwendig ist, sich in Übung zu versenken. Dass ein „Training“ notwendig ist. Es scheint denn also einzelne Phasen des Begreifens, des Erkennens, der Schau zu geben. Auch dies ist eine Illusion, die uns unser Denken vorschreibt. Die Wahrheit kennt keine Hierarchien – das Lehrstück geht über unser Begreifen hinaus.

Das Ziel ist das Paradies

Denken wir all dies zu Ende, wissen wir, was am Ende steht, was unser Ziel ist. Es ist die Wahrheit, die immer schon da war, es ist die Wirklichkeit. Es ist das Paradies, aus dem uns ein liebender Gott niemals vertrieben hat. Nur unsere eigenen Gedanken haben, in freiem Willen, der uns geschenkt ist, eine schier undurchdringliche Gedankenmauer gebaut. Lumpen vor unseren Augen. Wir sind denn also blind – und können das Paradies, das uns umgibt, das nie seine Tore geschlossen hat, weil es keine kennt, können die Wirklichkeit, die Herrlichkeit des Lebens, das Paradies – nicht erkennen.

Satipatthana-Sutta

Ihr Mönche, dies ist der direkte Weg zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Kummer und Wehklage, zum Beenden von Dukkha und Betrübtheit, zur Erlangung der richtigen Methode, zur Verwirklichung von Nibbana, nämlich die vier Satipatthanas.

Fazit

Die Atemmeditation Buddhas, die der Erleuchtete Thich Nhat Hanh so vortrefflich beschrieben hat, sie in ihrer Einfachheit so wunderbar ausformuliert hat – sie ist der Weg, aus diesem Leben der Abhängigkeiten, in die furchtlose Freiheit zu gelangen. Es ist das sich BEWUSST machen des Atems – und es ist die einfachste Übung im Dasein schlechthin – ganz genauso einfach wie es das Atmen auch ist.

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